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Datum: 14.09.2021

Live-Konzert des »open string quartets« (mit Gästen) in außergewöhnlichem Ambiente auf der Burg Vlotho

Etwa 40 Burggäste unterschiedlichen Alters verfolgten mit Interesse das Konzert vom „open string quartet“ am vergangenen Sonnabend im Palas auf dem Burggelände in Vlotho. Auf Einladung des Kulturbüros Vlotho erfreuten sich nicht nur die Musiker*innen am außergewöhnlichen Ambiente im festlich erleuchteten Palas der Burg Vlotho, sondern auch sämtliche Zuhörer*innen.

Das „open string quartet“, erweitert durch den Kontrabassisten Andreas Müller aus Osnabrück, führte - locker selbst moderierend - durch ein sehr vielseitiges Programm, das alles andere als das "normale" - nämlich klassische - Repertoire eines Streichquartetts umfasst.

Aus der näheren Umgebung des Palas waren - zuerst kaum wahrnehmbar - Töne zu hören, die sich erst langsam als ein Endlos-Marsch entpuppten, als nämlich das Quartett skurril und heiter musizierend den Ort des Geschehens betrat ... Der Bassist empfing das Ensemble - selber mitzupfend - auf der steinigen Bühne des Rittersaals.

In einer Komposition namens "Verdichten" von Willem Schulz formierte sich das Quartett als Raute und war so in einem engen Kontakt nach innen gerichtet und konnte musikalische Motive weiter zur/m Nächsten reichen. An die Minimal Art angelehnt, entwickelten sich zunächst einfache Tonbeispiele allmählich zu einem extrem komplexen und ineinander greifenden Gebilde, das man schwankend und schmunzelnd verfolgen oder auch verlieren konnte.

Bei "Caravan", auch von Willem Schulz, zog eine Karawane von weit her am Publikum vorbei, um auf der anderen Seite wieder zu verschwinden.

„Por Una Cabeza“, ein traditioneller Tango von Carlos Gardel, bewegte die Gemüter. Ebenso ein moderner von Astor Piazzolla, dem Revolutionär dieses Stils mit seinem Tango Nuevo „Melodia En La Menor“ ging langsam, getragen und meist sehr weich intoniert, zu Herzen.

Bei „Money Money“ von ABBA ging der Hut herum; schließlich war es ein „Hutkonzert“ – ohne fixen Eintrittspreis.

Ab und zu spielt ein Duo – mal Auskomponiertes, mal frei Improvisiertes. „Play With You“, ein Quartett Stück von Susanne Schulz, fordert die Zuhörerschaft zum Mitmachen heraus. Lateinamerikanische Rhythmen erinnern teils an brasilianischen Bossa Nova und teils an afrokubanische Salsa Musik. Und doch klingt es in diesem Quartett anders: Was sonst Bass, Perkussion, Schlagzeug, Bläsersatz und Gesang hörbar machen - und das bei Salsa meist mit viel Pfeffer - wirbelt hier in den Klangfarben von ausschließlich Streicher*innen über- und untereinander und ist gespickt mit virtuosen Improvisationen und kocht drängend hoch.

Ähnlich bei dem Jazzklassiker „Chameleon“ von Herbie Hancock, hier in einem Arrangement von Jho Kaufmann: Hier läuft das Quintett zu Hochform auf, es lässt sich selber mitreißen, und die Energie sprudelt über zum Publikum.

Im Abschlusssong träumt ein liebevoller Tango-Habanera von Kurt Weill von „Youkali“, dem Land der Sehnsucht, zu dem es uns alle zieht, das es aber in der Wirklichkeit nicht gibt... Zu guter Letzt klatscht das Publikum Zugaben heraus. So sind noch Möwen Schreie zu hören im Alsterflug von Susanne Schulz, hier im Palas von Vlotho, das nun sogar zu einem Wasser und Luft Erlebnis wird.

Das Programm beinhaltete Schweres und Leichtes in einer bunten und gelungenen Mischung: zu hören in weiteren Konzerten und auch in der Studio Version auf der CD „Flying Strings“, die übrigens von der Vlothoer Musik AG gefördert und hier zum ersten Mal vorgestellt wurde.

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